Das Land habe ihm den Glauben an die Malerei wieder zurückgegeben, so Monet, der wohl Bekannteste in einer langen Reihe berühmter Künstler, die an der italienischen Riviera Inspiration und Motive gefunden haben. 1884 kam Claude Monet nach Ligurien, Dolceaqua in den Bergen hinter Ventimiglia, diente ihm für diese Bilder als Vorlage. Auch den damals mondänen Badeort Bordighera mit seinen Jugendstilvillen zeichnete der Impressionist in den kräftigen Farben des Morgenlichts und den tiefroten Sonnenuntergängen.
Viele Maler haben versucht, den Zauber dieser Region festzuhalten: die frischen Farben der Küstenstädtchen, die erdigen Schattierungen der Bergdörfer, das dunkle Grün der Wälder. Zudem ist Ligurien landschaftlich sehr abwechslungsreich: Küste und Hinterland, Berg und Ebene, rauer Fels und liebliche Hügel, silbern schimmernde Olivenbäume und duftendes Basilikum.
Die Italiener nennen den ca. 340 km langen Küstenstreifen von Ventimiglia im Westen bis La Spezia im Osten »arcobaleno«, Regenbogen. Bei Sonne ist die Region in der Tat ein schillernder Regenbogen: Rote Rosen, gelbe Mimosen, grüne Olivenhaine, tiefblauer Himmel, rotviolette Bougainvillea.
Dazu säumen viele Jugendstilvillen in traumhaften Gärten und mit altem Baumbestand die Küste. Oft steil über dem Meer gelegen, waren sie gegen Ende des 19. Jh. Winterrefugien für zahlreiche englische, französische und deutsche Intellektuelle.Viele der zahlreichen Bauwerke aus der Glanzzeit der Riviera di Ponente, dem Küstenabschnitt westlich von Genua bis hin nach Ventimiglia zur französischen Grenze, sind erhalten geblieben. Wer also schöne Parkanlagen den Stränden vorzieht, kann hier von geschickten Botanikern und kreativen Landschaftsarchitekten geschaffene Meisterwerke entdecken.
Wasser
Berücksichtigt man alle Buchten und Landzungen, so hat die Region rund 450 km Küste – mit Sandstränden im Westen an der Riviera di Ponente (aufgehende Sonne) und stillen Kiesbuchten im Osten an der Riviera di Levante (untergehende Sonne). Die Wasserqualität ist mittlerweile überwiegend gut. Über zehn ligurische Strände haben die blaue Flagge für sauberes Wasser und umweltfreundliche Infrastruktur verliehen bekommen. So verwundert es nicht, dass sich hier im Sommer auch Wale und Delphine tummeln, deren Beobachtung mit Whalewatching-Booten zu einer der vielen Attraktionen gehört.
Wandern
Neben dem Badeurlaub am Meer sind Wanderungen an der italienischen Riviera im Beliebtheitsgrad der Reisenden stetig gestiegen: über schmale Pfade durch die Berge, mit Blick aufs Meer – etwa auf der »Alta via dei Monti Liguri«, dem ligurischen Höhenweg, der sich von Ventimiglia bis Ceparana bei La Spezia durch einen in diesem Bereich Alpi Ligure genannten Teil der Seealpen (Alpi Marittime) und den Apennin (Appennino Ligure) schlängelt. Eine Tour von insgesamt 440 km, die kaum jemand vom Anfang bis zum Ende geht, bei der sich aber jede einzelne Etappe lohnt, da die Route an alten, fast unveränderten Bauerndörfern und einsamen Landschaften von bizarrer Schönheit vorbeiführt.
Eine der schönsten Wanderwege Liguriens ist der »Sentiero degli Alpini«, ein stellenweise spektakulär in den Fels gehauener Versorgungsweg aus dem zweiten Weltkrieg. Er führt von der Colla Melosa am Ende des Nervia-Tals auf den 1973 m hohen Monte Toraggio. Einige Stellen der 5-6-stündigen Rundtour (530 Höhenmeter) sind etwas ausgesetzt, aber inzwischen gut durch Stahlseile gesichert und so – mit gutem Schuhwerk (!) – problemlos zu begehen. Lohn der Mühe beim Aufstieg sind geradezu dramatische Ausblicke in die Felsschlucht Gola dell’Incisa und sanfte Almwiesen unterhalb des Gipfels. Der Abstieg über den Passo della Valetta führt z.T. durch französisches Gebiet.
In den diversen Naturschutzgebieten wie z.B. dem Monte-Beigua- und dem Aveto-Park gibt es Gämsen, Murmeltiere und Steinadler, selbst Wölfe sind gelegentlich zu sehen. Übernachtungsmöglichkeiten finden sich problemlos: Viele Bauern vermieten einfache Zimmer zu akzeptablen Preisen. Und die Kochkunst der »Mamma« entschädigt oft für den rustikalen Komfort auf eine köstliche Art und Weise.
Küche
Das berühmte »pesto« aus Parmesan, Basilikum, Pinienkernen, Knoblauch und Olivenöl kommt nicht etwa über Spaghetti, sondern über die hier typischen »trenette«, eine Pasta, die mit Ei zubereitet wird und daher geschmacklich ganz anders ist. Als Zwischenmahlzeit eignet sich die mehrmals täglich in Bäckereien frisch zubereitete, salzige »foccacia«, eine Art Fladenbrot. Und aus zahlreichen Verkaufsständen duften verführerisch die kleinen Fladen »farinata«, aus den Hauptbestandteilen Kichererbsenmehl und Olivenöl, die traditionell auf Kupferblechen im Holzofen gebacken werden.
Wetter
Regen und damit echte Regenbogen gibt es hier zumindest im Frühjahr und Sommer recht selten. Vor allem im Herbst, aber auch im Winter sind trotz milder Temperaturen von meist über 12 °C stürmische Tage nicht selten. Dafür steigen bereits im März die Tageshöchstwerte schnell über die 20 °C-Grenze, die noch im Dezember immer wieder überschritten wird. Die schönsten Reisezeiten, v.a. für Wanderer, sind also das Frühjahr, wenn alles blüht, und der Spätherbst, wenn die Vegetation sich verfärbt. Zu diesen Jahreszeiten ist es abseits der Küste besonders angenehm: keine Hektik, kaum Touristen, viel Natur und Ruhe.

Zwischen Pinien- und Kiefernwäldern kleben Bergdörfer wie Apricale oder Pigna Vogelnestern gleich an den Höhenzügen Liguriens. Dort findet sich noch eine Urwüchsigkeit, die einst regionsbestimmend war: Lebensmittelläden statt Designer-Boutiquen, kleine Kneipen anstelle schicker Bars, regionale Gerichte anstatt europaweit identischer Touristenmenüs. Die auch noch heute meist winzigen Dörfer des Hinterlandes wurden hoch in den schwer zugänglichen Meeralpen erbaut, um Piratenangriffen zu entgehen – und bisher sind diese ligurischen Ruhepole auch dem Ansturm der Touristenmassen entgangen.

 

Ligurien

foto_Bordighera_Monet

Ein bezauberndes, aber auch ein schwierig zu malendes Land. Gebt mir Diamanten und Juwelen auf meine Palette
Claude Monet über Ligurien.

foto_Imperia_aus der Luft

Luftaufnahme Porto Maurizio und Oneglia

Badeanstalt

Renovierte Jugendstil-»Badeanstalt« in Porto Maurizio. In diesem Gebäude gibt es auch ein nettes Restaurant »Sailors«. Hier kann man direkt am Strand essen.

foto_Imperia_Hafen Onellia

Alter Hafen in Oneglia. Hier legen auch die Kreuzfahrschiffe an, die Sie gerne mal ein paar Tage mitnehmen. In den Arkaden gibt es mehrer Fischrestaurants mit Blick auf die Schiffe und das Meer.

lupi und Esse

Wein aus Ligurien mit gefüllten Zucchiniblüten

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